Sorge um JP Kraemer: Psycho-Experte sieht in seinem Abschiedsvideo Warnzeichen!

JP Performance beendet seine Karriere in einem emotionalen YouTube-Video. Er möchte seine Unternehmen schließen. 80 Existenzen vor dem Aus!

Nach den schweren Vorwürfen gegen Jean Pierre „JP“ Kraemer und seinem angekündigten Rückzug bekommt sein jüngstes Video eine weitere, bedrückende Dimension. Nicht mehr nur die Zukunft von JP Performance beschäftigt die Öffentlichkeit. In sozialen Netzwerken wächst die Sorge um Kraemer selbst. Der Heilpraktiker für Psychotherapie Jurek beschäftigt sich in einem aktuellen Video mit dessen Auftreten und früheren Aussagen zu Depressionen. Seine zentrale Botschaft: Einige Signale sollte das Umfeld des Unternehmers nicht leichtfertig abtun. Eine Ferndiagnose ist daraus jedoch ausdrücklich nicht möglich.

Die vergangenen Tage haben das öffentliche Bild von Jean Pierre Kraemer innerhalb kürzester Zeit erschüttert, in dem verlinkten Artikel sind die Videos zu sehen, welche seine Karriere maßgeblich negativ beeinflusst haben. Nach den Vorwürfen häuslicher Gewalt gegenüber seiner Ehefrau und mehreren öffentlichen Reaktionen folgte am 1. September ein Video, das wie ein endgültiger Abschied wirkt. Kraemer kündigt darin an, JP Performance nicht weiterzuführen und seine weiteren Unternehmungen schließen zu wollen. Medien berichten von rund 80 Beschäftigten; andere Berichte sprechen von einem Firmengeflecht aus 18 Unternehmen.  

Doch inzwischen dreht sich ein Teil der öffentlichen Diskussion nicht mehr um die wirtschaftlichen Folgen dieser Entscheidung. Es geht um eine wesentlich ernstere Frage: Wie geht es Jean Pierre Kraemer psychisch – und braucht er möglicherweise unmittelbare professionelle Hilfe? Müssen wir einen Selbstmord von JP Performance befürchten? Dieser Artikel zeigt unter Berufung auf den Experten, dass seine Freunde und Bekannten dringend auf den Auto-Influencer aufpassen müssen.

Jurek analysiert das Video von JP aus psychotherapeutischer Sicht

Der Heilpraktiker für Psychotherapie Jurek greift diese Frage in einem aktuellen YouTube-Beitrag auf. Er betrachtet Kraemers Äußerungen nicht nur als Reaktion eines Unternehmers auf eine massive öffentliche Krise, sondern ordnet sie vor dem Hintergrund von Kraemers bekannter psychischer Vorgeschichte ein.

Dabei ist eine Unterscheidung entscheidend: Niemand, der Kraemer nicht persönlich untersucht und fachgerecht diagnostiziert hat, kann anhand eines YouTube-Videos feststellen, ob er akut suizidal ist. Das gilt auch für Experten, die öffentlich über den Fall sprechen.

Jureks Sorge richtet sich vielmehr auf Warnsignale, die seiner Ansicht nach ernst genommen werden sollten. Er verweist unter anderem auf einen Screenshot beziehungsweise Aussagen, die Kraemer selbst zeigt oder thematisiert, und interpretiert einzelne Formulierungen im Zusammenhang mit dessen Gesamtsituation als Hinweise darauf, dass es ihm psychisch erheblich schlechter gehen könnte, als Außenstehende erkennen.

Der entscheidende Punkt seiner Einordnung lautet damit nicht: „JP Kraemer ist suizidal.“ Eine solche Behauptung wäre aus der Distanz nicht seriös feststellbar.

Die Frage lautet vielmehr: Sind genügend Warnzeichen vorhanden, dass Menschen aus seinem unmittelbaren Umfeld jetzt genau hinsehen sollten?

Nach Jureks Einschätzung spricht einiges dafür.

Im Folgenden findet sich das Video vom Heilpraktiker für Psychotherapie, welcher aber auch angekündigt hat, dieses YouTube-Video gegebenenfalls wieder zu entfernen:

„Ich kann nicht mehr“: Kraemers Worte bekommen durch seine Vorgeschichte ein anderes Gewicht

Kraemers Abschiedsvideo ist emotional. Er kämpft mit den Tränen und erklärt, seine Unternehmen aufgeben zu wollen.

Eine Aussage sticht dabei heraus: „Ich kann nicht mehr.“

Später erklärt er, traurig darüber zu sein, dass diese Reise und diese Geschichte vorbei seien. Außerdem kündigt er an, sämtliche Unternehmungen schließen zu wollen. Wie er das alles regeln werde, wisse er noch nicht.  

Für sich genommen beweist keiner dieser Sätze eine Suizidgefahr. Menschen sagen „Ich kann nicht mehr“ auch in Situationen extremer Erschöpfung, Überforderung oder Verzweiflung, ohne die Absicht zu haben, sich das Leben zu nehmen.

Im Fall Kraemer existiert allerdings ein wichtiger Kontext.

JP Kraemer sprach bereits öffentlich über schwere Depressionen und Suizidgedanken

Jean Pierre Kraemer hat seine psychischen Probleme in der Vergangenheit selbst öffentlich gemacht. Bereits 2022 berichtete er seinen Zuschauern, dass seine Depression wieder „voll da“ sei und es ihm seit Wochen schlecht gehe.

Er sprach davon, viel geweint zu haben, sich in seiner Depression festgefahren zu fühlen und zeitweise das Gefühl zu haben, gar nicht richtig da zu sein. Besonders ernst war eine weitere Aussage: Ohne die Liebe und Unterstützung seiner Community wäre er nach eigener damaliger Aussage nicht mehr am Leben gewesen.  

Das ist für die Bewertung der gegenwärtigen Situation relevant.

Nicht, weil daraus automatisch folgt, dass Kraemer heute suizidal wäre. Aber ein Mensch, der selbst öffentlich über schwere depressive Episoden und eine solche existenzielle Vergangenheit gesprochen hat, befindet sich nun in einer außergewöhnlichen Belastungssituation.

Innerhalb weniger Tage stehen seine Ehe, sein öffentliches Ansehen, langjährige Kooperationen, seine berufliche Zukunft und offenbar sein gesamtes Lebenswerk infrage.

Fakt nebenbei: Depressionen zeigen sich bei Männern vor allem in Form von Aggressionen, hier gibt es zwischen Mann und Frau tatsächlich unterschiede. Seine Noch-Ehefrau Julia sagte, dass er am Anfang sehr bemüht war und ihr Geschenke gemacht hat und immer gemerkt hat, was sie mag. Das war für sie selbstverständlich toll! Bei depressiven Männern ist das übrigens ein normales Verhalten. Am Anfang top, weil die eigene Stimmung in der frischen Liebe steigt. Später setzt aber das alte „Ich“ wieder ein mit den Depressionen und somit ist auch sie nicht mehr Interessant und es kommt zu Streit.

Sobald ein Streit ausbricht, kann dieser sehr schnell eskalieren, da mit der Depression auch eine Unsicherheit sich selbst gegenüber eintritt. „Bin ich für meine Frau noch genug?“ oder „hat meine Frau einen anderen, weil ich mich nicht mehr um sie kümmern kann?“. Das sind typische Fragen, die sich Betroffene stellen. In Foren oder Facebook-Gruppen über die Erkrankung lassen sich hierzu etliche Beiträge finden.

JP Performance: Vom Unternehmer zum öffentlichen Krisenfall

Kraemer war über viele Jahre nicht nur YouTuber. JP Performance entwickelte sich zu einer der bekanntesten Marken der deutschen Automobilszene. Rund 2,7 Millionen Menschen folgen allein dem YouTube-Kanal. Er hat jeden Monat hunderttausende Menschen auf der Videoplattform unterhalten.

Nun erklärt derselbe Mann innerhalb einer extremen persönlichen und medialen Krise, dieses Lebenswerk beenden zu wollen.

Aus psychologischer Perspektive können gerade solche Situationen problematisch sein: Ein Mensch verliert innerhalb kurzer Zeit mehrere Strukturen, über die er sich über Jahre definiert hat.

Arbeit, Öffentlichkeit, Unternehmen, tägliche Routinen, soziale Anerkennung und Zukunftsplanung können gleichzeitig wegbrechen. Bei Kraemer kommt hinzu, dass Arbeit nach seinen eigenen früheren Erzählungen eine besondere Funktion in seinem Leben hatte.

Er sagte in seinen Videos, dass ihm vor allem die Videos Spaß machen. Vor der Kamera ist er aufgegangen. Allerdings kann er nicht mehr zurück vor die Kamera – zumindest solange nicht, wie das öffentliche Interesse so derart riesig ist.

Seinen Hochzeitsantrag hat er in der Öffentlichkeit gemacht, seine Hochzeit mit Julia hat er öffentlich inszeniert und damit ist nun auch die Scheidung in der Öffentlichkeit. Eine Konsequenz, welche schon einigen Internet-Persönlichkeiten missfallen hat.

Auf YouTube gibt es nun einen sogenannten Content-Gap. Sein ehemaliger Videograf Flo verzeichnet seither einen regelrechten Ansturm auf seine YouTube-Videos. Dieser hatte 2-3 Wochen vor dem Skandal seinen Job in der Firma an den Nagel gehängt. Als hätte er den richtigen Riecher gehabt.

Doch nicht nur Flo wird hiervon profitierten, auch Omid Mouazzen und andere Auto-YouTuber werden einen massiven Zulauf an neuen Zuschauern verzeichnen. Die Leute wollen nämlich auch weiterhin Videos zu Autos, Tuning und mehr sehen. Die klassische Unterhaltung am Abend eben.

Besonders bedeutsam: JP sagte früher, die Arbeit habe ihm aus der Depression geholfen

In einem früheren Gespräch berichtete Kraemer offen über eine schwierige Kindheit und psychische Erkrankungen. Er erklärte, depressiv gewesen zu sein, eine Therapie gemacht und Antidepressiva genommen zu haben.

Auf die Frage, wie er aus dieser Phase herausgekommen sei, antwortete er damals sinngemäß mit einem zentralen Faktor: durch Arbeit.  

Genau deshalb bekommt die aktuelle Entscheidung eine zusätzliche Dimension.

Kraemer kündigt nun an, ausgerechnet jene berufliche Welt vollständig aufzugeben, die über Jahrzehnte einen erheblichen Teil seines Lebens bestimmt hat und der er selbst in der Vergangenheit offenbar stabilisierende Bedeutung zugeschrieben hat.

Das bedeutet nicht, dass eine Fortführung seiner Unternehmen aus psychologischen Gründen zwingend richtig wäre. Ein Rückzug kann notwendig sein. Eine Therapie, Distanz zur Öffentlichkeit und eine grundlegende Neuordnung seines Lebens können ebenfalls sinnvoll sein.

Problematisch wäre jedoch ein unkontrollierter Zusammenbruch sämtlicher Strukturen in einer ohnehin extremen psychischen Belastungssituation.

Der Suizid seiner Mutter gehört ebenfalls zu Kraemers Biografie

Ein weiterer Punkt macht die Diskussion besonders sensibel.

Kraemer berichtete selbst öffentlich, dass seine Mutter Suizid begangen habe. In einem früheren Interview sprach er über seine schwierige Kindheit, darüber, teilweise auf sich allein gestellt gewesen zu sein, und über den späteren Tod seiner Mutter.  

Auch diese Information erlaubt selbstverständlich keine Aussage darüber, was Kraemer heute tun wird.

Sie gehört jedoch zu seiner öffentlich bekannten Biografie und erklärt, weshalb Beobachter auf bestimmte Äußerungen derzeit besonders sensibel reagieren.

Zusammen mit seinen früher öffentlich geschilderten Depressionen, der gegenwärtigen persönlichen Krise, dem massiven öffentlichen Druck und seinem abrupt angekündigten Rückzug entsteht ein Gesamtbild, das zumindest eines rechtfertigt: Sorge.

Jureks Warnung sollte deshalb nicht als Diagnose verstanden werden

Die Einordnung des Heilpraktikers für Psychotherapie Jurek sollte vor diesem Hintergrund verstanden werden.

Es geht nicht darum, Kraemer über ein YouTube-Video eine psychiatrische Diagnose zuzuschreiben. Ebenso wenig lässt sich seriös behaupten, er werde sich etwas antun.

Der wichtige Gedanke hinter der Warnung ist ein anderer: Bei möglichen Anzeichen einer schweren psychischen Krise kann es gefährlich sein, auf absolute Gewissheit zu warten.

Gerade Angehörige, Freunde und enge Mitarbeiter müssen keine Diagnose stellen. Wenn sie den Eindruck gewinnen, dass ein Mensch sich in einer akuten Krise befindet, können sie professionelle Hilfe hinzuziehen.

Das wäre keine Vorverurteilung und keine Dramatisierung, sondern Vorsicht.

Vielleicht erkennt der Betroffene die eigene Gefährdung selbst nicht

Jurek spricht in seiner Analyse zudem einen wichtigen Gedanken an: Ein Betroffener muss die Tragweite seiner eigenen Situation nicht zwingend vollständig erkennen.

Menschen in schweren psychischen Krisen betrachten ihre Situation nicht zwangsläufig aus derselben Perspektive wie Außenstehende. Deshalb spielen das persönliche Umfeld und professionelle Ansprechpartner eine wichtige Rolle.

Für die Öffentlichkeit gilt dagegen eine klare Grenze: Aus Sorge darf keine Diagnose werden.

Es wäre ebenso falsch, Kraemer aufgrund seiner Körpersprache, seiner Tränen oder einzelner Sätze öffentlich als akut suizidal zu bezeichnen. Depressionen und Suizidalität lassen sich nicht zuverlässig aus Gesichtsausdrücken oder kurzen Videoausschnitten diagnostizieren.

Social Media diskutiert inzwischen nicht mehr nur über Schuld und Konsequenzen

Genau diese Verschiebung lässt sich derzeit in der öffentlichen Debatte beobachten.

Nach den ursprünglichen Gewaltvorwürfen konzentrierte sich die Diskussion auf Kraemers Verhalten gegenüber seiner Noch-Ehefrau, auf die veröffentlichten Aufnahmen und auf die Konsequenzen für seine geschäftlichen Partnerschaften.

Mit dem neuen Video verändert sich der Ton.

Neben Kritik finden sich zunehmend Sorgen über Kraemers psychischen Zustand. Sein Auftreten, seine Tränen, der angekündigte vollständige Rückzug und Formulierungen wie „Ich kann nicht mehr“ werden diskutiert.

Das ist nachvollziehbar. Es birgt jedoch auch Risiken.

Spekulationen über einen möglichen Suizid können selbst problematisch werden

Gerade deshalb sollten Medien, Influencer und Nutzer sozialer Netzwerke verantwortungsvoll mit dem Thema umgehen.

Eine Schlagzeile wie „JP will sich das Leben nehmen“ wäre nach dem öffentlich bekannten Informationsstand nicht gedeckt. Dasselbe gilt für vermeintliche psychologische Analysen seiner Gestik, seines Blickes oder seiner Stimmlage.

Was sich dagegen seriös feststellen lässt: Kraemer befindet sich erkennbar in einer außergewöhnlichen persönlichen Krise, hat eine öffentlich bekannte Vorgeschichte mit Depressionen und verwendet in seinem aktuellen Abschiedsvideo Formulierungen, die bei Teilen der Öffentlichkeit und auch bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie Besorgnis ausgelöst haben.

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Gewaltvorwürfe und Sorge um JP schließen sich nicht gegenseitig aus

Ein weiterer Aspekt geht in aufgeheizten Debatten schnell verloren.

Sorge um Kraemers psychische Gesundheit relativiert die Vorwürfe gegen ihn nicht.

Die veröffentlichten Aufnahmen und die Vorwürfe häuslicher Gewalt müssen unabhängig davon betrachtet werden. Auch psychische Erkrankungen entschuldigen Gewalt nicht.

Gleichzeitig bedeutet die Verurteilung von Gewalt nicht, dass einem Menschen in einer möglichen psychischen Krise Hilfe verweigert werden sollte.

Beides kann gleichzeitig gelten.

Die mutmaßlich Betroffene verdient Schutz, Unterstützung und eine sachliche Aufarbeitung der Geschehnisse. Kraemer trägt Verantwortung für sein eigenes Verhalten. Und sollte er sich zugleich in einer schweren psychischen Krise befinden, benötigt auch er professionelle Hilfe.

Diese Ebenen gegeneinander auszuspielen, hilft niemandem.

Das aktuelle Video wirkt deshalb anders als ein gewöhnlicher Rücktritt

Auch aus kommunikativer Sicht unterscheidet sich Kraemers Video von einem klassischen Rückzug eines Unternehmers.

Es gibt keinen präsentierten Nachfolger, keinen erkennbaren Übergangsplan und zumindest öffentlich keine ausführliche Perspektive für die zahlreichen Beschäftigten.

Stattdessen sagt Kraemer, dass er alle Unternehmungen schließen werde und selbst sehen müsse, wie er das alles geregelt bekomme.  

Der WDR berichtet von rund 80 Mitarbeitern, die in seinen Unternehmen beschäftigt sein sollen.  

Diese Dimension haben wir bereits in unserem vorherigen Artikel zur Krise um JP Performance behandelt: Dort geht es um die Frage, wie Kraemers Statements die öffentliche Krise verschärft haben, welche Folgen die angekündigte Auflösung seiner Firmen für Mitarbeiter und Geschäftspartner haben könnte und weshalb seine Krisenkommunikation aus PR-Sicht problematisch erscheint.

[Hier den vorherigen Artikel zu JP Performance verlinken]

Der neue Aspekt geht jedoch über Krisenkommunikation hinaus.

Denn sobald ernsthafte Zweifel am psychischen Zustand eines Menschen entstehen, sollte die Frage nicht mehr lauten, ob sein nächstes Statement kommunikativ geschickt ist.

Dann lautet sie: Ist dieser Mensch sicher und befindet er sich in professioneller Betreuung?

Was JP Kraemer jetzt brauchen könnte, weiß die Öffentlichkeit nicht

Von außen lässt sich nicht beurteilen, welche Hilfe Kraemer bereits erhält.

Möglicherweise befinden sich Familie, Freunde, Mitarbeiter, Ärzte oder Therapeuten längst an seiner Seite. Ebenso wenig wissen Außenstehende, welche Entscheidungen hinter den Kulissen bereits getroffen wurden.

Deshalb wäre es falsch, aus dem Schweigen seines Umfeldes zu schließen, dass niemand reagiert.

Kraemer selbst hat angekündigt, sich um sich kümmern zu wollen. Das kann ein wichtiger Schritt sein.

Ob dazu eine therapeutische oder psychiatrische Behandlung gehört, ist seine Privatsache, solange er selbst darüber keine Informationen veröffentlicht.

Was jetzt nicht helfen dürfte: öffentlicher Spott

Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie schnell eine öffentliche Debatte eskalieren kann.

Kritik an Kraemers Verhalten bleibt legitim. Die veröffentlichten Gewaltaufnahmen müssen journalistisch eingeordnet werden. Auch Widersprüche in seinen Statements dürfen thematisiert werden.

Etwas anderes sind jedoch Häme, Todeswünsche oder gezielte psychische Demütigungen.

Wer einen Menschen für sein Verhalten kritisiert, muss ihm nicht gleichzeitig jede Menschlichkeit absprechen.

Gerade wenn Zweifel bestehen, wie stabil ein Mensch momentan ist, sollte diese Grenze selbstverständlich sein.

Man muss sich auch einmal in die Lage von JP versetzen: Er erhält wohl gerade alle 10 Minuten eine neue Hiobsbotschaft. Ein weiterer Mitarbeiter kündigt, ein weiterer Partner beendet die Zusammenarbeit, eventuell Nachrichten über Sachbeschädigung und schlussendlich vielleicht gesunkene Verkaufszahlen und Nachrichten über Social Media mit Beleidigungen oder Drohungen.

All das kann dafür sorgen, dass sich ein depressiver Mensch denkt, er hat keinen Ausweg mehr. Er ist nur noch Ballast für die Gesellschaft. Er hat offenbar auch keinerlei Filter für sich. Immer dann, wenn er sein Smartphone in die Hand nimmt, wird es gerade Nachrichten geben, mit denen er sich gar nicht auseinandersetzen möchte. Zu jeder Tageszeit!

Das Problem ist eben auch, dass er sich auf den Bahamas befindet, eine ähnliche Zeitzone wäre vorteilhafter gewesen. Immer in den Nachtstunden, während er – hoffentlich – schläft, prasseln neue News-Artikel rein. Ein Abschalten ist damit gar nicht möglich.

Aus Sicht eines Fans wäre das ideale, wenn er gerade Online per Video eine Psychotherapie begonnen hat. Eine klassische Gesprächstherapie, die zu einem späteren Zeitpunkt weiter ausgebaut werden kann.

Essenziell wäre nun aber ein Team aus Führungskräften, welche die Unternehmen leiten für die Zeit, in welcher JP nicht handeln kann.

Fazit: Die Sorge sollte ernst genommen werden – ohne JP Kraemer aus der Ferne zu diagnostizieren

Die Krise um JP Performance hat innerhalb weniger Tage eine Dimension erreicht, die weit über eine gewöhnliche Influencer-Kontroverse hinausgeht.

Zunächst standen schwere Vorwürfe häuslicher Gewalt und Kraemers öffentliche Reaktionen darauf im Mittelpunkt. Nun kündigt er das Ende von JP Performance und seiner weiteren Unternehmen an, verabschiedet sich von seiner Community und sagt unter Tränen, dass er nicht mehr könne.  

Gleichzeitig wissen wir aus Kraemers eigenen früheren Aussagen, dass er schwere depressive Phasen erlebt hat. Er berichtete von Therapie und Antidepressiva und sagte 2022 sogar, ohne den Rückhalt seiner Community wäre er nicht mehr am Leben gewesen. Auch der Suizid seiner Mutter gehört zu seiner öffentlich erzählten Familiengeschichte.  

Das alles beweist keine gegenwärtige Suizidalität.

Aber es erklärt, weshalb Jureks Warnung und die zunehmende Sorge in sozialen Netzwerken nicht einfach als Dramatisierung abgetan werden sollten.

Der wichtigste Wunsch kann deshalb momentan nur sein, dass Menschen aus Kraemers unmittelbarem Umfeld genau hinschauen und im Zweifel professionelle Unterstützung organisieren.

Über geschäftliche Konsequenzen, Verantwortung, Glaubwürdigkeit und die Zukunft von JP Performance kann anschließend weiter diskutiert werden.

Die Sicherheit eines Menschen steht davor.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel stellt keine medizinische oder psychiatrische Diagnose von Jean Pierre Kraemer dar. Eine akute Suizidgefahr lässt sich anhand öffentlich zugänglicher Videos nicht feststellen. Bei unmittelbaren Suizidgedanken oder Sorge um eine akut gefährdete Person sollte in Deutschland der Notruf 112 verständigt werden. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 1110111, 0800 1110222 und 116 123 erreichbar.

Ein Kommentar

  1. Joris Autor des BeitragsAntworten

    Übrigens noch einen kleinen Einwurf von mir: Es ist unendlich traurig, was da passiert ist. Alles hätte nicht so weit kommen müssen! Die PR-Strategie war eine Katastrophe. Ich habe das Gefühl, dass sich nun weitere Ex-Freundinnen melden werden, vielleicht sogar ehemalige Mitarbeiter und Geschäftspartner, die noch „eine Rechnung offen haben“. Dinge, die eben nie geklärt wurden. Wer in der Öffentlichkeit steht, sollte seine Lasten immer klären. Immer in Frieden auseinandergehen. Ob man jetzt Bekannt ist oder nicht – irgendwann folgen sonst die Konsequenzen. Schreibt gerne darüber, was ihr zum Fall JP Performance denkt und wie es nun weitergehen könnte. Wird er seine Firmen vielleicht gar nicht schließen?

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