Der Fall um Jean Pierre „JP“ Kraemer (45) bekommt eine weitere juristische Dimension. Nachdem die Staatsanwaltschaft Dortmund bereits wieder wegen des Verdachts der Körperverletzung und Sachbeschädigung ermittelt, steht nun ein zusätzlicher Vorwurf im Raum. Nach aktuellen Medienberichten hat der Anwalt von Kraemers Noch-Ehefrau Julia Meck (25) Strafanzeige erstattet. Dabei geht es um den Verdacht einer möglicherweise falschen Versicherung an Eides statt.
Im Mittelpunkt steht erneut die Frage, was während einer Auseinandersetzung zwischen Kraemer und Meck geschah – und wie Kraemer den Vorfall später gegenüber einem Gericht dargestellt haben soll.
Sollte sich der neue Verdacht bestätigen, könnte dies strafrechtliche Folgen haben. Eine falsche Versicherung an Eides statt kann nach § 156 Strafgesetzbuch mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.
Doch wichtig ist: Eine Strafanzeige ist weder eine Anklage noch eine Verurteilung. Ob Kraemer tatsächlich eine strafbare falsche Versicherung an Eides statt abgegeben hat, ist derzeit nicht geklärt. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Neue Strafanzeige gegen JP Kraemer eingereicht
Nach aktuellen Medienberichten hat Julia Mecks Rechtsanwalt Ali Mojab Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Dortmund erstattet. Hintergrund soll eine eidesstattliche Versicherung sein, die Kraemer im Zusammenhang mit einem gerichtlichen Verfahren abgegeben haben soll.
Dabei geht es offenbar um die Berichterstattung über einen Vorfall vom 23. November 2024 auf dem Gelände von JP Performance.
Kern der Auseinandersetzung ist die Frage, ob Kraemer seine Noch-Ehefrau bei diesem Vorfall gewürgt hat beziehungsweise ob das Geschehen journalistisch als „Würgen“ bezeichnet werden durfte.
Die Angelegenheit ist deshalb brisant, weil Kraemers Darstellung in einer eidesstattlichen Versicherung nun mit anderen Aussagen und einer gerichtlichen Bewertung verglichen wird.
Was soll JP Kraemer versichert haben?
Nach übereinstimmenden Medienberichten soll Kraemer im Rahmen eines Rechtsstreits gegen die Berichterstattung der „Bild“ bestritten haben, Julia Meck gewürgt zu haben.
Genau an diesem Punkt setzt die neue Strafanzeige an.
Denn das Landgericht Hamburg soll sich bereits mit den entsprechenden Aufnahmen und der Frage beschäftigt haben, wie das darauf sichtbare Verhalten bezeichnet werden darf.
Nach den aktuell veröffentlichten Informationen stellte das Gericht dabei unter anderem darauf ab, dass Kraemer selbst eingeräumt habe, Meck mit beiden Händen im Bereich zwischen Schlüsselbein und äußerer Halsmuskulatur angefasst zu haben.
Das Gericht soll zu dem Ergebnis gekommen sein, dass dieses Verhalten als „Würgen“ bezeichnet werden könne. Auch eine entsprechende Bezeichnung Kraemers im Rahmen der Berichterstattung soll danach zulässig gewesen sein.
Damit entsteht eine juristisch interessante Frage: Widerspricht diese Feststellung dem Inhalt der zuvor abgegebenen eidesstattlichen Versicherung?
Genau das dürften nun die Ermittlungsbehörden prüfen müssen.
Video zeigt körperliche Auseinandersetzung
Der Vorfall selbst ist nicht nur durch Aussagen der Beteiligten bekannt. Eine Überwachungskamera zeichnete Teile der Auseinandersetzung auf.
Auf den veröffentlichten Aufnahmen ist eine körperliche Konfrontation zwischen Kraemer und Meck zu erkennen. Kraemer äußerte sich später selbst zu der Aufnahme und räumte körperliche Handlungen ein.
Bereits zuvor hatte er im Zusammenhang mit einem anderen Streit bestätigt, seiner Frau eine Kette vom Hals gerissen und sie mit der flachen Hand geschlagen zu haben.
Sein eigenes Verhalten bezeichnete Kraemer öffentlich als falsch und nicht zu entschuldigen.
Damit hat Kraemer körperliche Übergriffe selbst eingeräumt. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sämtliche darüber hinaus erhobenen Vorwürfe ebenfalls bewiesen sind.
Gerade beim konkreten Vorwurf des Würgens müssen deshalb Kraemers eigene Einlassungen, die Aufnahmen, die Aussagen Mecks und die gerichtlichen Bewertungen voneinander getrennt betrachtet werden.
Julia Meck erhebt weitergehende Vorwürfe
Julia Meck schildert die Geschehnisse deutlich schwerwiegender.
Nach Medienberichten soll sie im Rahmen einer richterlichen Vernehmung angegeben haben, Kraemer habe sie so lange gewürgt, bis ihr schwarz vor Augen geworden sei.
Dabei handelt es sich um eine Aussage Mecks und nicht um eine rechtskräftig festgestellte Tatsache.
Die Darstellung ist dennoch für die Ermittlungen von Bedeutung. Denn sie geht über das hinaus, was Kraemer bislang selbst eingeräumt hat.
Bereits Ende September hatte Meck weitere Vorwürfe öffentlich gemacht und Teilen der Darstellung ihres Noch-Ehemannes widersprochen. Sie bestreitet insbesondere die Darstellung einer gegenseitig gewalttätigen Beziehung.
Welche Version der einzelnen Ereignisse zutrifft, müssen die zuständigen Behörden und gegebenenfalls später ein Gericht klären.
Was bedeutet die eidesstattliche Versicherung?
Eine Versicherung an Eides statt besitzt vor Gericht ein erhebliches Gewicht. Wer eine solche Erklärung abgibt, bestätigt damit die Richtigkeit seiner Angaben in einer besonders verbindlichen Form.
Deshalb kann eine bewusst falsche eidesstattliche Versicherung strafbar sein: § 156 StGB sieht für eine falsche Versicherung an Eides statt eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor.
Die derzeit verbreitete Schlagzeile, JP Kraemer würden nun „drei Jahre Haft drohen“, braucht deshalb eine wichtige Einordnung.
Drei Jahre sind das gesetzliche Höchstmaß. Das bedeutet keineswegs, dass Kraemer im Fall einer Verurteilung automatisch eine solche Strafe erhalten würde.
Zunächst müsste überhaupt nachgewiesen werden, dass eine relevante Angabe objektiv falsch war und die weiteren Voraussetzungen des Straftatbestandes erfüllt sind.
Nicht jeder Widerspruch ist automatisch eine Straftat
Auch ein möglicher Widerspruch zwischen einer eidesstattlichen Versicherung und später bekannt gewordenen Tatsachen führt nicht automatisch zu einer Verurteilung.
Die Staatsanwaltschaft müsste zunächst den genauen Wortlaut der Erklärung prüfen. Das ist entscheidend.
Bei juristischen Auseinandersetzungen kann bereits die genaue Formulierung einer Erklärung eine erhebliche Rolle spielen. Ebenso muss geklärt werden, in welchem Verfahren die Versicherung abgegeben wurde und worauf sie sich konkret bezog.
Erst danach lässt sich beurteilen, ob eine Aussage tatsächlich objektiv falsch war.
Hinzu kommt die subjektive Seite: Für eine vorsätzlich falsche Versicherung an Eides statt müsste nachgewiesen werden, dass der Betroffene wissentlich eine falsche Erklärung abgegeben hat.
Das Strafgesetzbuch kennt daneben auch die fahrlässige falsche Versicherung an Eides statt. Für eine fahrlässige Tat sieht § 161 StGB einen geringeren Strafrahmen vor.
Von einer erwiesenen „Lüge unter Eid“ zu sprechen, wäre zum jetzigen Zeitpunkt daher falsch.
Staatsanwaltschaft ermittelt bereits wegen Körperverletzung
Die neue Strafanzeige trifft auf ein ohnehin laufendes juristisches Verfahren.
Die Staatsanwaltschaft Dortmund hatte Anfang September bestätigt, dass ein zuvor eingestelltes Ermittlungsverfahren gegen Kraemer wieder aufgenommen wurde.
Dabei geht es um den Verdacht der Körperverletzung und Sachbeschädigung.
Ausgangspunkt war ein Polizeieinsatz am 26. Juli 2026 an Kraemers Wohnhaus in Dortmund. Das Verfahren gegen Kraemer wurde zunächst eingestellt, nachdem vor Ort kein Strafantrag gestellt worden war und die Staatsanwaltschaft kein öffentliches Interesse an einer weiteren Strafverfolgung angenommen hatte.
Später meldete sich ein Rechtsanwalt für Julia Meck, stellte Strafantrag und beantragte die Wiederaufnahme des Verfahrens.
Die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen daraufhin wieder auf.
Kraemer hat Gewalt selbst eingeräumt
Anders als bei einigen der weitergehenden Vorwürfe gibt es Teile des Geschehens, die Kraemer selbst bestätigt hat.
Er räumte öffentlich ein, seiner Noch-Ehefrau eine Kette vom Hals gerissen und sie mit der flachen Hand geschlagen zu haben.
Auch zu einer weiteren veröffentlichten Videoaufnahme äußerte er sich.
Kraemer machte dabei deutlich, dass er sein eigenes Verhalten nicht rechtfertigen wolle. In einem seiner Statements erklärte er sinngemäß, er habe es nicht geschafft, sich unter Kontrolle zu halten.
Diese Aussagen sind von Bedeutung, weil damit nicht mehr grundsätzlich zur Debatte steht, ob es überhaupt körperliche Übergriffe gegeben hat. Kraemer selbst hat bestimmte Handlungen bestätigt.
Offen ist dagegen weiterhin, wie weitere von Julia Meck geschilderte Situationen abliefen und wie diese strafrechtlich zu bewerten sind.
Der Fall wird für JP Kraemer juristisch komplexer
Mit der neuen Strafanzeige könnten sich inzwischen mehrere Ebenen überschneiden.
Auf der einen Seite stehen Ermittlungen wegen möglicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Auf der anderen Seite gibt es unterschiedliche Darstellungen darüber, wie schwer einzelne körperliche Auseinandersetzungen tatsächlich waren.
Nun kommt die Frage hinzu, ob Kraemer gegenüber einem Gericht Angaben gemacht hat, die mit den vorhandenen Aufnahmen, seinen eigenen Einlassungen oder anderen Erkenntnissen vereinbar sind.
Dabei könnte der genaue Wortlaut der eidesstattlichen Versicherung entscheidend werden.
Es macht juristisch einen erheblichen Unterschied, ob eine Person eine konkrete Handlung vollständig bestreitet oder lediglich einer bestimmten Beschreibung beziehungsweise Interpretation des Geschehens widerspricht.
Genau deshalb lässt sich aus den bislang öffentlich bekannten Informationen noch nicht ableiten, ob der Tatbestand einer falschen Versicherung an Eides statt erfüllt ist.
Bis zu drei Jahre Haft – aber nur im äußersten Strafrahmen
Sollte sich der Verdacht erhärten und sollte die Staatsanwaltschaft zu dem Ergebnis kommen, dass Kraemer vorsätzlich eine falsche Versicherung an Eides statt abgegeben hat, könnte ein weiteres Strafverfahren folgen.
Nach § 156 StGB reicht der Strafrahmen bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe. Alternativ sieht das Gesetz eine Geldstrafe vor.
Die häufig zitierte mögliche „Drei-Jahres-Haftstrafe“ beschreibt daher lediglich das gesetzliche Maximum.
Ob überhaupt Anklage erhoben wird, ist bislang offen.
Ebenso wenig lässt sich derzeit seriös vorhersagen, welche Strafe im Fall einer möglichen Verurteilung verhängt würde.
Was jetzt passieren könnte
Zunächst dürfte entscheidend sein, ob die Staatsanwaltschaft Dortmund aufgrund der neuen Strafanzeige ein weiteres Ermittlungsverfahren einleitet beziehungsweise einen entsprechenden Anfangsverdacht sieht.
Dafür könnten mehrere Dokumente und Beweismittel relevant werden: die eidesstattliche Versicherung selbst, die Videoaufnahme des Vorfalls, Kraemers öffentliche Aussagen, die Angaben von Julia Meck sowie die Unterlagen aus dem Verfahren vor dem Landgericht Hamburg.
Von besonderem Interesse dürfte sein, was Kraemer exakt versichert hat.
Erst durch einen Vergleich des genauen Wortlauts mit den übrigen Beweismitteln lässt sich feststellen, ob tatsächlich ein strafrechtlich relevanter Widerspruch vorliegt.
Fazit: Der Fall JP Kraemer ist noch lange nicht abgeschlossen
Für JP Kraemer verschärft sich die juristische Situation zumindest insofern, als nun ein weiterer strafrechtlicher Vorwurf im Raum steht.
Während die Staatsanwaltschaft Dortmund bereits wieder wegen des Verdachts der Körperverletzung und Sachbeschädigung ermittelt, hat Julia Mecks Anwalt nach aktuellen Medienberichten nun auch Strafanzeige wegen des Verdachts einer falschen Versicherung an Eides statt erstattet.
Besonders relevant ist dabei der Streit über den Vorfall vom November 2024. Während Kraemer bestimmte körperliche Handlungen eingeräumt hat, schildert Meck die Situation deutlich schwerwiegender. Hinzu kommt eine gerichtliche Bewertung, nach der die Bezeichnung des Verhaltens als „Würgen“ zulässig sein soll.
Ob daraus folgt, dass Kraemers eidesstattliche Versicherung tatsächlich falsch war, steht jedoch keineswegs fest.
Nun kommt es auf Details an: Was hat Kraemer exakt erklärt? Welche Tatsachen lassen sich anhand der Aufnahmen feststellen? Welche Aussagen sind beweisbar? Und lässt sich gegebenenfalls nachweisen, dass eine falsche Angabe bewusst gemacht wurde?
Erst wenn diese Fragen geklärt sind, lässt sich einschätzen, ob aus der neuen Strafanzeige tatsächlich ein weiteres Strafverfahren entsteht.
Bis dahin gilt auch in diesem Teil des Falls die Unschuldsvermutung für JP Kraemer.

