JP Performance vor dem Aus: So kam es zur PR-Katastrophe

JP Performance beendet seine Karriere in einem emotionalen YouTube-Video. Er möchte seine Unternehmen schließen. 80 Existenzen vor dem Aus!

Jean Pierre „JP“ Kraemer kündigt das Ende von JP Performance und seiner weiteren Unternehmen an. Rund 80 Beschäftigte könnten von der Entscheidung betroffen sein. Was als schwere private Krise begann, entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einer beispiellosen Kommunikationskatastrophe. Aus PR-Sicht zeigt der Fall vor allem eines: Nicht jedes Statement ist besser als Schweigen – und emotionale Entscheidungen eines Unternehmers betreffen längst nicht nur ihn selbst.

Noch vor wenigen Tagen schien zumindest eines sicher: JP Performance würde diese Krise überstehen. Jean Pierre Kraemer hatte sich öffentlich zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert, seinen Mitarbeitern offenbar mitgeteilt, man werde den „Sturm gemeinsam überstehen“, und angekündigt, sich eine Auszeit zu nehmen sowie therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Am 1. September 2026 klingt plötzlich alles anders. Nun machen sich Zuschauer sogar darüber sorgen, dass er sich etwas antun könnte. Seine Depressionen sind nun wieder Thema und damit auch die wachsende Sorge, da im Video machen suizidal klingt.

In einem nur knapp fünf Minuten langen YouTube-Video mit dem Titel „Danke!“ sitzt ein sichtlich aufgewühlter Kraemer vor der Kamera. Er entschuldigt sich bei seiner Noch-Ehefrau Julia Meck und bei Menschen, die er verletzt habe. Dann folgt die Nachricht, die weit über seine eigene Person hinausgeht:

JP Performance soll nicht weitergeführt werden. Und nicht nur das. Kraemer erklärt, er wolle alle seine Unternehmen schließen. Wie genau das geschehen soll, lässt er offen.

Damit erreicht eine Krise ihren vorläufigen Höhepunkt, die längst nicht mehr nur Jean Pierre Kraemer betrifft.

Sie betrifft Mitarbeiter, Geschäftspartner, Zulieferer und deren Familien. Sie betrifft eine Unternehmensgruppe, die über Jahre aufgebaut wurde. Und sie wirft eine Frage auf, die in seinem aktuellen Video erstaunlich wenig Raum bekommt:

Kann ein Unternehmer ein Firmenimperium dieser Größenordnung in einer emotionalen Ausnahmesituation einfach für beendet erklären? Darf er solche Statements überhaupt in Videoform machen? Vorab: Nein! Er hätte sich beraten lassen sollen und zwar ab dem Moment, als vor einem Monat er aus seinem Haus verwiesen wurde von der Polizei. Es war abzusehen, dass Medienvertreter dies sofort erfahren. Innerhalb dieser 4 Wochen hat er aber scheinbar keine Vorbereitung getroffen. Eine Situation ist eskaliert, die niemals soweit hätte kommen müssen.


Gewaltvorwürfe bilden den Ausgangspunkt – nicht die PR

Eines muss bei jeder Analyse klar bleiben: Der Kern dieser Geschichte ist keine missglückte Öffentlichkeitsarbeit.

Kraemer hat selbst eingeräumt, gegenüber seiner Noch-Ehefrau körperlich gewalttätig geworden zu sein. Medien berichteten zudem über Aufnahmen einer Überwachungskamera aus dem Jahr 2024. Darauf ist zu sehen, wie Kraemer Meck unter anderem am Hals beziehungsweise im Halsbereich packt, gegen eine Wand drückt und an den Haaren greift. Kraemer bezeichnete sein Verhalten später selbst als falsch und nicht zu entschuldigen.

Auch juristisch ist die Angelegenheit nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft Dortmund prüft nach einem Antrag des Rechtsanwalts von Julia Meck die Wiederaufnahme eines zuvor eingestellten Verfahrens. Für Sachverhalte, die Kraemer nicht selbst eingeräumt hat, gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

Die Verantwortung für die Gewalt darf deshalb nicht mit einer Diskussion über Krisenkommunikation vermischt werden.

Aber genau an diesem Punkt beginnt eine zweite Geschichte: Wie geht eine der bekanntesten deutschen Unternehmer- und Influencermarken mit einer solchen Krise um?

Und hier hat JP Performance innerhalb weniger Tage nahezu jedes kommunikative Risiko realisiert, das professionelle Krisenkommunikation eigentlich verhindern soll.


Das erste Statement: Hier begann die kommunikative Katastrophe

Aus Sicht eines PR-Beraters hätte die öffentliche Eskalation vermutlich niemals dieses Ausmaß erreichen müssen.

Nicht, weil die Vorwürfe dadurch weniger schwer gewesen wären. Sondern weil professionelle Krisenkommunikation verhindern soll, dass zur eigentlichen Krise ständig neue, selbst verursachte Krisen hinzukommen.

Genau das geschah.

Am 28. August veröffentlichte Kraemer sein erstes ausführliches Statement. Darin räumte er unter anderem ein, Julia Meck eine Kette vom Hals gerissen und sie mit der flachen Hand geschlagen zu haben.

Gleichzeitig schilderte er jedoch eine Beziehung, in der es aus seiner Sicht zu gegenseitiger körperlicher Gewalt gekommen sei. Er behauptete, selbst stärkere Schläge erhalten zu haben. Auch Streitigkeiten um Geld und eine aus seiner Sicht fehlende Dankbarkeit spielten in seiner Darstellung eine Rolle.

Kommunikativ entstand dadurch ein gravierendes Problem.

Eine Entschuldigung funktioniert in einer schweren Krise nur dann, wenn sie Verantwortung übernimmt, ohne die Verantwortung im nächsten Satz wieder zu relativieren.

Wer sinngemäß sagt:

Ich habe etwas Falsches getan, aber die andere Seite hat ebenfalls …

erzeugt keine klare Verantwortungsübernahme.

Er erzeugt eine Debatte darüber, wer eigentlich Täter und wer Opfer ist.

Und genau diese Debatte brauchte JP Kraemer in diesem Moment am wenigsten.


Die Community sollte plötzlich über die Zukunft des Unternehmens entscheiden

Noch problematischer war ein anderer Teil des ersten Statements.

Kraemer stellte sinngemäß die Frage in den Raum, ob seine Community überhaupt wolle, dass JP Performance weitermacht: Wenn die Zuschauer Ja sagten, gehe es weiter; wenn sie Nein sagten, nicht.

Aus PR- und Unternehmenssicht war das kaum nachvollziehbar.

Denn JP Performance ist kein privater YouTube-Kanal, dessen Betreiber entscheiden kann, morgen einfach keine Videos mehr hochzuladen.

Hinter der Marke stehen Unternehmen, Arbeitsplätze, Miet- und Lieferverträge, Kunden, laufende Projekte, Investitionen und Geschäftspartner.

Die Zukunft eines solchen Unternehmens ist keine YouTube-Abstimmung.

Und die Verantwortung dafür kann ein Geschäftsführer auch kommunikativ nicht an seine Zuschauer delegieren.

Gerade in einer Krise hätte das Gegenteil vermittelt werden müssen:

Meine persönlichen Fehler sind meine Verantwortung. Meine Mitarbeiter tragen dafür keine Verantwortung. Deshalb werde ich alles tun, um ihre Arbeitsplätze und die Unternehmen von meiner Person zu trennen.

Das wäre eine Botschaft gewesen, die Führung gezeigt hätte.


Das zweite Statement zerstörte die Verteidigung des ersten

Dann erschien das Überwachungsvideo.

Und damit bekam die Öffentlichkeit Bilder zu einem Sachverhalt, über den zuvor hauptsächlich gesprochen worden war.

Die Aufnahmen zeigten eine körperliche Auseinandersetzung, die bei vielen Zuschauern offenbar deutlich heftiger ankam als die Situation, die sie sich nach dem ersten Statement vorgestellt hatten. Kraemer veröffentlichte die Sequenz anschließend selbst und nahm erneut Stellung.

Hier entstand das vielleicht größte Glaubwürdigkeitsproblem.

Denn plötzlich musste das Publikum nicht mehr nur bewerten, was Kraemer sagte, sondern konnte seine vorherigen Worte mit konkreten Bildern vergleichen.

Genau das ist für jede Krisenkommunikation gefährlich.

Wer eine Situation zunächst sprachlich einordnet und später mit Material konfrontiert wird, das beim Publikum einen wesentlich schwereren Eindruck hinterlässt, verliert die Kontrolle über die eigene Erzählung.

Unter dem zweiten Video änderte sich laut Medienberichten die Stimmung erheblich. Während Kraemer nach dem ersten Statement noch viel Unterstützung erhalten hatte, reagierten zahlreiche Nutzer nach Veröffentlichung der Bilder deutlich kritischer.

Damit war aus einem persönlichen Skandal endgültig eine Glaubwürdigkeitskrise der Marke JP geworden.

Im Folgenden kann jeder das Video mitsamt der Aufnahmen aus der Überwachungskamera anschauen, wer emotional sensibel auf Gewalt reagiert, sollte sich das nicht anschauen. Es ist auch ein komisches Gefühl eine solche Person, der man derartiges nie zugetraut hätte, so zu sehen. Wie schafft man es, sich in über 1.000 YouTube-Videos sich so derart zu verstellen? Hier bleibt nur zu hoffen, dass seine Psychotherapie baldmöglichst beginnt.


Genau deshalb braucht man in solchen Situationen professionelle Krisenkommunikation

Das klingt möglicherweise kalt, ist aber Teil professioneller Unternehmensführung:

In einer Krise dieser Größenordnung darf der Betroffene nicht spontan entscheiden, was er fünf Minuten später Millionen Menschen erzählt.

Ein professionelles Krisenteam hätte zunächst Fakten gesammelt.

Was ist tatsächlich passiert? Welche Aussagen sind belegt? Welche Verfahren laufen? Welches Material existiert? Welche Aussagen könnten durch weitere Veröffentlichungen widerlegt oder relativiert werden? Welche Mitarbeiter und Geschäftspartner müssen vor einer öffentlichen Stellungnahme informiert werden?

Danach hätte man eine Kommunikationsstrategie festgelegt.

Nicht, um etwas zu vertuschen.

Sondern um wahrheitsgemäß, verantwortlich und konsistent zu kommunizieren.

Die sinnvollste Strategie hätte vermutlich bedeutet, die persönliche Verantwortung Kraemers von der wirtschaftlichen Zukunft seiner Unternehmen zu trennen.

Zum Beispiel:

Kraemer zieht sich mit sofortiger Wirkung aus dem operativen Geschäft und aus der Öffentlichkeit zurück. Eine Geschäftsführung übernimmt die Unternehmen. Er beginnt die angekündigte Therapie. Die Vorwürfe werden juristisch aufgearbeitet. Bis dahin äußert er sich nicht zu einzelnen Behauptungen über seine Noch-Ehefrau.

Ein solches Vorgehen hätte die Krise nicht beseitigt.

Aber es hätte verhindert, dass alle zwei Tage eine neue Bombe aus dem eigenen Haus gezündet wird.


Dann wenden sich die Geschäftspartner ab

Die wirtschaftlichen Folgen ließen nicht lange auf sich warten.

Die Getränkemarke Gönrgy beendete die Zusammenarbeit mit Kraemer und distanzierte sich ausdrücklich von Gewalt. Auch die gemeinsame Modekollektion von Borussia Dortmund und JP Performance verschwand aus dem BVB-Shop. Die Zusammenarbeit war erst im März 2026 öffentlich vorgestellt worden.

Auch medial gab es Konsequenzen. Joyn nahm „Die PS-Profis – Mehr Power aus dem Pott“ mit Kraemer bis auf Weiteres aus dem Programm.

Solche Reaktionen sind bei einer Markenkrise dieser Art kaum überraschend.

Unternehmen bewerten nicht nur, ob ein Geschäftspartner juristisch verurteilt wurde. Sie bewerten ihr eigenes Reputationsrisiko.

Die entscheidende Frage lautet:

Was bedeutet es für unsere Marke, wenn unser Logo morgen neben diesem Menschen in einem Nachrichtenartikel erscheint?

Wenn Unternehmen diese Frage nicht mehr positiv beantworten können, werden Kooperationen beendet.


Noch am Wochenende wollte JP den „Sturm“ mit seinen Mitarbeitern überstehen

Umso erstaunlicher wirkt das aktuelle Video.

Nach Informationen von BILD hatte Kraemer seinen Mitarbeitern zuvor noch geschrieben, dass sie die Situation nicht verdient hätten. Medien berichteten zudem, dass Beschäftigten, die den Weg nicht mehr mitgehen wollten, eine faire Lösung zugesagt worden sei.

Das vermittelt zumindest den Eindruck:

Das Unternehmen soll weiterleben.

Nur wenige Tage später heißt es plötzlich:

Alle Unternehmen sollen geschlossen werden.

Eine solche Kehrtwende innerhalb weniger Tage wäre bei einem kleinen Einzelunternehmen bereits bemerkenswert.

Bei einem Firmengeflecht dieser Größenordnung ist sie alarmierend.


Rund 80 Mitarbeiter – und was passiert jetzt mit ihnen?

Der WDR spricht von rund 80 Mitarbeitern, die in Kraemers Unternehmen beschäftigt sein sollen. Andere Berichte nennen ein Firmengeflecht aus 18 Unternehmen. Zum Portfolio gehören unter anderem JP Performance, das PACE Automobil Museum und Gastronomiebetriebe.

Und genau hier liegt das größte Problem des neuesten Videos.

Kraemer spricht über sein Ende.

Über seine Reise.

Über seine Trauer.

Über seine Fehler.

Über seine Zukunft.

BILD hat den Auftritt sogar sprachlich ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis, Kraemer spreche darin 61-mal von sich, während Entschuldigungen deutlich seltener vorkämen.

Ob seine Tränen authentisch sind, können Außenstehende nicht seriös beurteilen – und sollten es auch nicht versuchen.

Die entscheidende Frage ist eine andere:

Wo bleiben die Menschen, deren wirtschaftliche Existenz an diesen Unternehmen hängt?


Ein Unternehmer trägt Verantwortung für mehr als sich selbst

Natürlich kann Kraemer psychisch und emotional an einem Punkt angekommen sein, an dem er nicht mehr weitermachen kann.

Dann muss er aufhören.

Aber JP Kraemer muss nicht zwangsläufig dasselbe sein wie JP Performance.

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Ein Eigentümer kann sich aus der Geschäftsführung zurückziehen.

Er kann Geschäftsführer einsetzen.

Er kann Gesellschaftsanteile verkaufen.

Er kann Marken veräußern.

Er kann Unternehmen in neue Eigentümerstrukturen überführen.

Er kann einen Beirat einsetzen.

Er kann seine öffentliche Rolle vollständig beenden, ohne gleichzeitig funktionierende Unternehmen abzuwickeln.

Gerade deshalb wirkt die Aussage, sämtliche Unternehmen schließen zu wollen, nicht wie eine durchdachte unternehmerische Entscheidung.

Sie wirkt wie eine Entscheidung aus einer emotionalen Ausnahmesituation.

Und genau dann sollte ein Unternehmer keine Entscheidungen treffen, die möglicherweise Dutzende andere Existenzen betreffen.

Eins frage ich mich: Hat er alles selbst gemacht? Hat er niemanden, der ihn im Urlaub vertritt? Hat er keine „Abteilungsleiter“? Wenn er sowieso schon wegen Depressionen nicht immer da sein konnte, warum hat er nicht einfach jemanden eingelernt, der ihn unterstützt? Das entfaltet nun seine Konsequenzen, dieser jemand hätte alles weiterführen können, während JP einfach auf den Bahamas die Füße stillhält.


Was ist mit Zulieferern, Partnern und offenen Verpflichtungen?

Die Mitarbeiter sind zudem nur die sichtbarste Gruppe.

An einem Unternehmensgeflecht wie dem von JP Performance hängen weitere Unternehmen.

Zulieferer liefern Teile. Dienstleister stellen Personal oder Technik. Agenturen übernehmen Leistungen. Vermieter stellen Flächen bereit. Hersteller produzieren Waren. Geschäftspartner planen Kampagnen. Kunden haben möglicherweise Bestellungen oder laufende Aufträge.

Ein Unternehmen mit dieser Reichweite existiert nicht isoliert.

Wenn ein Unternehmer vor Millionen Zuschauern erklärt, alle Unternehmen schließen zu wollen, erzeugt das deshalb sofort neue Unsicherheit.

Lieferanten fragen sich, ob offene Rechnungen bezahlt werden.

Beschäftigte fragen sich, ob sie nächsten Monat noch einen Arbeitsplatz haben.

Geschäftspartner prüfen Verträge.

Kunden überlegen, ob ihre Aufträge ausgeführt werden.

Banken und andere Finanzierungspartner beobachten die wirtschaftliche Entwicklung.

Eine solche Aussage ist deshalb keine rein persönliche Erklärung.

Sie ist eine unternehmerische Nachricht mit realen wirtschaftlichen Folgen.


Das dritte Video ist die Krönung der PR-Katastrophe

Und damit sind wir beim aktuellen Video.

Aus menschlicher Sicht sieht man dort einen Mann, der offenbar am Ende seiner Kräfte angekommen ist.

Aus Sicht professioneller Krisenkommunikation sieht man etwas anderes:

Eine Führungskraft, die erneut ohne erkennbare kommunikative Strategie eine Entscheidung von enormer Tragweite öffentlich verkündet.

Das erste Statement öffnete zahlreiche neue Angriffsflächen.

Das zweite Statement belastete die Glaubwürdigkeit zusätzlich, weil die veröffentlichten Bilder für viele Zuschauer schwer mit der zuvor entstandenen Vorstellung der Ereignisse vereinbar waren.

Und das dritte Video macht nun aus der persönlichen und medialen Krise möglicherweise eine Unternehmenskrise mit Dutzenden direkt Betroffenen.

Damit erreicht das Krisenmanagement seinen Tiefpunkt.

Im Folgenden ist das Video zu sehen. Diesmal auch in keinem professionellen Setting, sondern sozusagen ohne Skript im Wohnzimmer seines Vaters auf den Bahamas aufgenommen. Hier ebenso der Hinweis: wer sensibel auf Emotionen reagiert, sollte auch dieses Video nicht anschauen.


Die Alternative wäre Rückzug gewesen, nicht Zerstörung!

Es hätte einen wesentlich verantwortungsvolleren Weg gegeben.

Jean Pierre Kraemer hätte sagen können:

Ich ziehe mich zurück.

Nicht:

Ich schließe alles.

JP Performance könnte ohne Jean Pierre Kraemer vor der Kamera weiterbestehen.

Vielleicht zunächst kleiner.

Vielleicht unter einer neuen Geschäftsführung.

Vielleicht irgendwann unter einem anderen Namen.

Vielleicht nach einem Verkauf.

Auch PACE, Gastronomiebetriebe oder andere Gesellschaften sind nicht zwangsläufig darauf angewiesen, dass Kraemer persönlich öffentlich auftritt. So geht es auch seinen anderen Marken wie Dr. Glossy, JP Clothing oder Big Boost Burger.

Die Marke JP Performance ist zwar eng mit ihrem Gründer verbunden. Aber ein Unternehmen besteht eben nicht nur aus seinem Gründer.

Es besteht aus Menschen.

Und gerade ein Unternehmer, der über Jahre ein Firmenimperium aufgebaut hat, trägt Verantwortung dafür, diese Menschen in seiner persönlichen Krise nicht mitzureißen.


Ein Rückzug hätte sogar ein Zeichen von Verantwortung sein können

Kommunikativ wäre ein vollständiger persönlicher Rückzug durchaus nachvollziehbar gewesen. Selbstverständlich in Einbeziehung eines Medien-Profis, am besten einem Anwalt der zugleich auch die Kontakte zu Medienvertreter hat.

Die beste Lösung für JP Performance wäre gewesen:

Keine Videos.

Keine Interviews.

Keine Rechtfertigungen.

Keine Instagram-Posts.

Keine Diskussionen über Julia Meck.

Therapie.

Juristische Aufarbeitung.

Eine unabhängige Geschäftsführung übernimmt sämtliche operativen Entscheidungen.

Nach einigen Monaten hätte man neu bewerten können, ob und in welcher Form Kraemer jemals wieder öffentlich auftreten sollte.

Das hätte keine seiner Handlungen ungeschehen gemacht. Die Konsequenzen müssen natürlich getragen werden.

Es hätte aber gezeigt:

Ich übernehme die Konsequenzen für mein Verhalten, ohne meine Mitarbeiter für meine Fehler bezahlen zu lassen.

Das wäre Verantwortung gewesen. Das wäre bewundernswert gewesen. Jemand, der auf andere achtet, selbst wenn sich gefühlt die ganze Welt gegen einen richtet.

Seine Community ist zwar nicht mehr wohlbesonnen, aber einige davon setzen sich für den Influencer sein mit dem Hashtag #jpmachweiter. Allerdings wäre auch das, die genau falsche Entscheidung. Eine Auszeit von längerer Dauer würde ihm guttun.


Die Tränen sind nicht die entscheidende Frage

BILD stellt nach dem aktuellen Video die Frage, wie echt Kraemers Tränen seien, und verweist unter anderem auf die starke Ich-Bezogenheit seiner Aussagen.

Aus PR-Sicht führt diese Frage jedoch am eigentlichen Problem vorbei.

Vielleicht sind die Tränen vollkommen echt.

Vielleicht bereut Kraemer seine Handlungen zutiefst.

Vielleicht befindet er sich tatsächlich in einer emotionalen Ausnahmesituation.

All das kann gleichzeitig wahr sein.

Doch Reue und unternehmerische Verantwortung sind zwei unterschiedliche Dinge.

Ein Unternehmer kann persönlich zusammenbrechen und trotzdem verpflichtet sein, dafür zu sorgen, dass andere Menschen nicht unnötig mit ihm fallen.

Gerade dafür existieren Geschäftsführer, Berater, Rechtsanwälte und Krisenstäbe.

Diese Statements haben auch das Problem, dass er aus dieser Spirale nicht mehr herauskommt, er müsste demnach immer wieder Statements machen, da sonst die Frage da ist, warum antwortet er nicht auf XYZ? Gibt es da noch mehr schlimme Geschichten über JP? Damit hat er sich keinen gefallen getan. Ein PR-Berater hätte niemals diese Video-Statements genehmigt.


JP Performance muss nicht mit JP Kraemer enden

Noch ist ohnehin unklar, was Kraemers Ankündigung praktisch bedeutet.

AUTO BILD weist darauf hin, dass derzeit offen ist, ob tatsächlich eine vollständige Abwicklung erfolgt, Unternehmen verkauft werden oder andere Personen sie weiterführen. Auch ein konkreter Zeitplan für mögliche Schließungen ist nicht bekannt. Das ist wichtig. Denn zwischen einem emotionalen Satz in einem YouTube-Video und der tatsächlichen gesellschaftsrechtlichen Abwicklung zahlreicher Unternehmen liegt ein erheblicher Unterschied.

Vielleicht folgt nach einigen Tagen Abstand eine andere Lösung. Das wäre nicht unglaubwürdig. Im Gegenteil.

Es wäre vernünftig.

Kraemer kann seine Karriere als öffentliche Person beenden. Er kann seinen YouTube-Kanal verlassen. Er kann sämtliche Ämter niederlegen und sich vollständig aus seinen Unternehmen zurückziehen.

Aber daraus folgt nicht zwangsläufig, dass Werkstätten, Museum, Gastronomie und andere Gesellschaften ebenfalls verschwinden müssen.

Dortmund ist nicht dafür bekannt, dass es dort einen rosigen Arbeitsmarkt gibt. Wenn nun JP Performance mit all seinen weiteren Unternehmen wie Big Boost Burger oder dem Automuseum verschwindet, dann haben es 80 Existenzen mit Familien sehr schwer, etwas neues zu finden. Sie werden womöglich auch total allein gelassen, es kommt einem so vor, als müsste JP zunächst sich erst vor seiner Community rechtfertigen. So sollte das aber nicht sein! Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden sich fragen, ob sie morgen überhaupt zur Arbeit gehen müssen.

Das ist gegenüber dem Personal einfach nicht fair. Eine Situation, die enorm belastet und womöglich auch wieder bei anderen für Eheprobleme sorgt. Das hat keiner aus dem großen Unternehmen verdient. Denkt bitte auch daran, wenn aus Rache die Google-Bewertungen von JP Performance attackiert werden. Das ist ohnehin peinlich.


Fazit: Jetzt braucht JP Performance keine weitere Emotion, sondern Struktur

Jean Pierre Kraemer hat innerhalb weniger Tage erlebt, wie schnell sich eine der stärksten Personenmarken der deutschen YouTube- und Automobilszene gegen ihren eigenen Schöpfer wenden kann.

Seine Glaubwürdigkeit hat schweren Schaden genommen. Geschäftspartner haben Konsequenzen gezogen. Teile seiner Community haben sich abgewandt. Gleichzeitig laufen Ermittlungen wegen der Gewaltvorwürfe.

Dass Kraemer persönliche Konsequenzen ziehen muss, steht außer Frage.

Doch persönliche Konsequenz und unternehmerische Selbstzerstörung sind nicht dasselbe.

Das erste Statement hätte eine Gelegenheit sein können, Verantwortung zu übernehmen und die Krise professionell einzugrenzen.

Stattdessen folgte ein zweites Video, das die Dimension des Geschehens für viele Zuschauer erst sichtbar machte und die Glaubwürdigkeit weiter beschädigte.

Nun folgt das vermeintlich letzte Video – und mit ihm die Ankündigung, sämtliche Unternehmen zu schließen.

Aus PR-Sicht ist das die Krönung einer Kommunikationskatastrophe.

Nicht weil Kraemer unbedingt weitermachen sollte.

Sondern weil ein Unternehmer mit rund 80 Mitarbeitern (+ Zulieferer) nicht nur darüber entscheiden muss, was er selbst noch erträgt.

Er muss auch darüber nachdenken, was seine Entscheidung für diejenigen bedeutet, die morgens in seinen Unternehmenzur Arbeit gehen.

JP Kraemer darf sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Er darf seine Karriere als Influencer beenden. Er kann die Geschäftsführung abgeben und sich vollständig auf seine persönliche Aufarbeitung konzentrieren.

Aber bevor aus dem persönlichen Absturz eines Unternehmers der wirtschaftliche Absturz von Dutzenden unbeteiligten Beschäftigten wird, sollte eine andere Frage beantwortet werden:

Muss wirklich JP Performance verschwinden – oder müsste nicht vielmehr Jean Pierre Kraemer zunächst aus JP Performance verschwinden?

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